Sportartentwicklung

Diskussion Sportartentwicklung

Autor: Marcel Meyer

Datum: 05.10.2014

Ehrenamt

Im Jahr 2000 war das Trampolinturnen (Einzel) erstmals vollwertige Disziplin bei den Olympischen Spielen. Mit dem Erreichen der höchsten Stufe im internationalen Sport stellt sich die Frage nach den nationalen Strukturen einer Sportart. In Deutschland basiert die Organisation des Trampolinturnens im Wesentlichen auf dem ehrenamtlichen Engagement von Idealisten, die zumeist neben ihrem Beruf aufwendige Funktionärsaufgaben übernehmen. Da einige Aufgabenbereiche inzwischen den Umfang eines Halbtagsjobs erreicht haben, stellt sich die Frage, ob eine ehrenamtliche Führung des Technischen Komitees (TK) sowie anderer Aufgaben heutzutage noch zeitgemäß ist.

Die unbefriedigende Entwicklung des Trampolinturnens im internationalen Vergleich ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass einer olympischen Sportart mit ehrenamtlicher Manpower begegnet wird, wo in anderen Nationen ein Stab von professionellen Mitarbeitern an gut ausgestatteten Leistungszentren wirkt. Der DTB beschäftigt derzeit einen Bundestrainer und einen Bundes-Nachwuchstrainer sowie bei einigen Maßnahmen zusätzliche Honorartrainer. In der Zentrale in Frankfurt gibt es zudem Sachbearbeiter, die teilweise dem Fachgebiet zuarbeiten.

Die Forderung nach einer größeren personellen Ausstattung ist schnell gestellt. Eine sinnvolle personelle Aufstockung setzt m. E. jedoch eine zielführende Strukturveränderung voraus, sodass diese beiden Themen nicht separat diskutiert werden können.

 

Spitzensportkonzepte

Das Spitzensportkonzept von 2004 mag in anderen Sportarten (z. B. Gerätturnen) Früchte getragen haben, im Trampolinturnen jedoch ist es jedoch weitestgehend wirkungslos geblieben. Die Gründe dafür liegen teilweise auf der Hand, eine Evaluation im Bereich Trampolinturnen ist jedoch - sofern es sie gibt - bisher nicht veröffentlicht worden.

Folgende Gründe können für das unbefriedigende internationale Abschneiden, gemessen an den Erfolgen von 2004, angenommen werden:

  • Das Spitzensportkonzept 2004 ist für das Gerätturnen entwickelt worden. Die Voraussetzung für dessen Umsetzbarkeit ist eine flächendeckende Verteilung von Turn-Talent-Schulen (TTS), Turn-Zentren und Bundesstützpunkten, was beim Trampolinturnen nicht gegeben ist (Stand 2012: 3 Bundesstützpunkte, 0 Turn-Zentren, 8 TTS). 
  • Die personelle Ausstattung an den Bundesstützpunkten ist nicht ausreichend.
  • Es existieren drei Bundesstützpunkte, von denen nur 2 vom DTB personell ausgestattet werden.
  • Der Bundestrainer Erwachsene und der Bundestrainer Nachwuchs arbeiten nicht am selben Stützpunkt. Bei einer derart dünnen Personaldecke ist eine räumliche Trennung uneffektiv.
  • Die Aufgaben für die Bundestrainer sind zu umfangreich.
  • Der Übergang von den TTS zu den Turn-Zentren bzw. den Bundesstützpunkten ist in der Praxis häufig unrealistisch. Bei Entfernungen von mehreren hundert Kilometern zum nächstgelegenen Bundesstützpunkt müssten Zwölfjährige umziehen, was zum Einen daran scheitert, dass die Eltern dazu nicht bereit sind, zum Anderen daran, dass die schulische und persönliche Betreuung der Athleten mindestens fraglich ist.
  • Die sport- und trainingswissenschaftliche Untersuchung des Trampolinturnens ist derzeit nur Stückwerk. Ein wissenschaftlich lückenloses Anforderungsprofil und ein sportartspezifischer Rahmentrainingsplan fehlen.
  • Die Kaderkriterien für den Nachwuchs (speziell D-Kader) sind kaum nachvollziehbar. Eine trainingswissenschaftliche Grundlegung fehlt.
  • Die Ausbildung der Trainer C ist uneinheitlich trotz einheitlichen Ausbildungskonzeptes. Einheitliche Ausbildungsunterlagen fehlen.
  • Eine Vermarktung der Sportart und damit ein Einwerben von Drittmitteln zur Finanzierung der Trainings- und Wettkampfaufwendungen der Kaderathleten findet nicht statt.

 

Neukonzeption

Das neue Spitzensportkonzept 2012 bringt für das Trampolinturnen keine entscheidenden Veränderungen. Da das Trampolinturnen nach 2004 in der Förderstufe 1 angesiedelt war, derzeit aber nur in der Förderstufe 4 (von 5) rangiert, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die finanzielle und damit die personelle Situation in Zukunft verbessern wird. Einzig eine konzeptionelle Neuorientierung des Fachgebietes aus eigener Kraft ist derzeit ein realistischer Ansatz. Diese Neukonzeptionierung bedarf der Mitarbeit der erfolgreichen Trainer und der Lehrverantwortlichen.

Als Ansatzpunkt für einen Maßnahmenkatalog kann eine Mindmap zur Sportart dienen:

 

Das Fachgebiet Trampolin hat nur begrenzte Einflussmöglichkeiten auf die Teilbereiche, jedoch sind auch einige Themen im Gestaltungsbereich dieses Gremiums:

  • Lehrwesen
  • Langfristiger Leistungsaufbau (Konzeptentwicklung)
  • Öffentlichkeitsarbeit

Eine vorläufige Konzentration auf diese drei Bereiche wäre ein gangbarer Schritt in die richtige Richtung.

Kommentare zum Thema